Ob ich es will oder nicht – was gebe ich im Internet von mir Preis?


NSA whistleblower Edward Snowden: ‚I don’t want to live in a society that does these sort of things‘

Mit der Veröffentlichung geheimer Daten vom Überwachungsprogramm PRISM des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA rückt dieser Tage »1984« – Georg Orwells Dystopie einer totalitären Zukunft, in der die Medien absolut kontrolliert sind – näher an uns heran. »Big Brother is watching you«. Der Whistleblower Edward Snowden löste den Skandal um die flächendeckende Internet- und Telefonüberwachung aus, weil er persönlich in einer solch überwachten Welt nicht leben möchte. Während der deutsche Innenminister glaubt, »dass niemand in Deutschland an Aktionen des NSA beteiligt ist, die nicht rechtmäsig wären«, legt der BND ein 100-Millionen-Programm für die Internetüberwachung auf und deutsche Überwachungstechnik ist ein Exportschlager.


1984 – Film Trailer (1984)

Die Überwachungen von Internet und Telefon betreffen dabei nicht nur potentielle Kriminelle und Terroristen. Jeder kann faktisch unter Verdacht geraden, wenn Allgorithmen die Profile von Netzwerken und Datenströmen durchsuchen. Und Geheimdienste stellen dazu bewusst Fallen. So spähten Spione Top-Diplomaten in Fake-Internet-Cafés beim G20 Gipfel 2009 aus – aufgedeckt, durch die von Edward Snowden dem Guardian bereitgestellten Daten.

So wundert auch der Schulterschluss zwischen den großen Internetfirmen aus den USA – Facebook, Twitter, Google, Apple, Amazon, Microdsoft – und den US-Geheimdiensten nicht. Um Image-Schäden zu vermeiden geben sie nun die ersten Zahlen zu den Anfragen der Geheimdienste bekannt. Skandalös ist, dass wir nicht einmal wissen, was für Daten von uns von diesen Firmen gespeichert werden. Und diese Medienunternehmen haben unser Daten zu schützen! Als Apple im Jahr 1984 ihren ersten Macintosh-Computer beim Super Bowl mit ihrem an Orwells »1984« angelehnten Werbespot von Ridley Scott bewarb, propagierte das Unternehmen noch eine Welt, die nicht wie »1984« werden würde.


Meilenstein der Werbebranche – »1984« Werbespot von Apple

Der chinesiche Künstler Ai Weiwei schreibt in Bezug zum NSA-Überwachungs-Skandal in einem Artikel für den Guardian: »Beide Regierungen (die US-amerikanische und die chinesiche Regierung) denken, sie tun das, was am besten für den Staat und die Menschen ist. Aber, wie ich weiß, kann eine solcher Machtmissbrauch Leben ruinieren.«

Aber sind wir all dem machtlos ausgeliefert?

Durch anonyme Internetnutzung mittels Tor-Browser und E-Mail-Verschlüsselung lässt sich die Datenspur verringern. Aber gegen die NSA, so sagen Experten, ist Gegenwehr kaum möglich. Was man technisch tun kann beschreibt die Zeit-Serie »Mein digitaler Schutzschild«.

Das Bundesdatenschutzgesetz gehört zu den strengsten Richlinien Europas. Die Politik muss sich für eine ebenso strenge Vorschriften bei der EU-Datenschutzreform stark machen und dem Druck der Lobby von Facebook, Google, etc. stand halten. Mit der Online-Kampagne von campact kann man sich selbst für einen starken europäischen Datenschutz einsetzen – mitmachen.

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